Pueblos Jóvenes

 



Armut in Peru

 

Die Armut kann als die Situation definiert werden, in der eine Person das notwendige Einkommen fehlt, um sich ein Mindestniveau an Gesundheit, Ernährung, Lebensraum, Kleidung und Bildung u. a. zu sichern.

 

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs in vielen Ländern Südamerikas und vor allem in Peru ist laut dem peruanischen Statistikamt  54% der peruanischen Bevölkerung arm. Weitere 14% ca. 4,2 Millionen Menschen, sind nicht in der Lage, sich ausreichend mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen und gelten damit als extrem arm.
 

Das Wirtschaftswachstum Perus besaß eine zeitlang sogar eine der weltweit höchsten Wachstumsraten, trotzdem ging dieser Aufschwung an den wirklich armen Menschen des Landes vollkommen vorbei. Gerade in den ländlicheren Gegenden fehlt es an Infrastruktur und es gibt generell kaum staatliche Sicherungssysteme, um die sozial schwachen Menschen zu unterstützen.
Arbeitslosigkeit ist stärker als zuvor ein zentrales Problem der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Lediglich 15 Prozent der arbeitenden Bevölkerung kann Vollbeschäftigung vorweisen. Rund 80 Prozent der Erwerbsbevölkerung hat keinen festen Arbeitsplatz; sie sind unterbeschäftigt oder arbeitslos.

 

Viele Arbeitskräfte finden auf dem informellen Sektor (Straßenhändler, Schmuggler und Cocaproduktion) ein kleines Auskommen. Absolut betrachtet leben die meisten Armen in den Randzonen Limas, die Mehrheit der extrem Armen sind in den ländlichen Gebieten der Sierra und der Selva zu finden. Da die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung zur indigenen Bevölkerung zählt, korreliert extreme Armut in diesem Andenstaat sehr stark mit der ethnischen Herkunft.

 

In den Dörfern auf dem Altiplano ist die Zeit stehengeblieben, dort leben die Campesinos wie ihre Vorfahren von der Selbstversorgung. Sie tragen bunte Klappmützen, Ponchos und gewickelte Kniebundhosen, die Frauen weiße Zylinder oder Melonenhüte, selbstgewebte Tragetücher und mehrere, übereinander gestülpte Röcke. Hinter den Lehmhütten weiden Schafe, Ziegen, Lamas und Alpakas, die Milch, Fleisch und Wolle liefern.

 

Die Hochlandbewohner wurden zum Christentum bekehrt, doch in ihren Riten leben noch die alten Gottheiten. Begleitet von Flöten- und Trommelspiel treten sie bei ihren alkoholseligen Fiestas in farbigen Vermummungen auf. Im Übrigen verharren sie schicksalsergeben in ihrer Bedürfnislosigkeit.

 

Die durch Landflucht ausgelöste hohe Zuwanderung in die Hauptstadt, in der rund ein Drittel der Bevölkerung leben, hat große soziale Probleme zur Folge: Ein erheblicher Teil vor allem der indigenen Bevölkerung in Lima lebt in den vielerorts wasser- und stromlosen Slums, die als "Pueblos Jóvenes" (junge Ortschaften) bezeichnet werden, unterhalb bzw. am Rande der Armutsgrenze. Aufgrund von Gegensätzen in den ethnischen Kulturen und sozio-politische Disparitäten, kommt es zu einer ungenügenden Versorgung der Bevölkerung.

 

Der Mehrheit der Bevölkerung fehlt der Zugang zu sauberem Trinkwasser, zu Nahrungsmitteln, Bildung und Arbeit, Altersvorsorge und medizinischer Versorgung.
Auch die Mangel- bzw. Unterernährung ist ein weit verbreitetes Problem, das wiederum auf die große Armut zurückzuführen ist, denn eine ausgewogene Ernährung ist vielen Familien finanziell oft nicht möglich.
 

Internationale Hilfsorganisationen und Spenden aus Europa und den USA sind oft die einzige Hilfe für den einkommensschwachen Teil der Bevölkerung.
 

Die große Armut und die geringen Einkommensmöglichkeiten verhindern, dass ein Großteil der Kinder und Jugendlichen regelmäßig die Schule besucht. Die Folge ist eine extrem hohe Analphabetenquote. Die Arbeitslosenquote liegt laut offiziellen Angaben bei mehr als neun Prozent; 50 Prozent der Bevölkerung ist unterbeschäftigt und lediglich 30 Prozent verfügt über ein Arbeitsverhältnis auf vertraglicher Grundlage.
 

Peru gehört zu den Ländern mit den reichsten kulturellen Erben und zu denen mit den schlechtesten Bildungssystemen der Welt. Der Besuch der staatlichen Schulen - eine sechsjährige Primar- und eine fünfjährige Sekundarschule - ist unentgeltlich, mittellose Studierende werden von den Studiengebühren befreit. Doch zeigt das Bildungssystem in punkto Chancengleichheit und Ausstattung der Schulen zahlreiche Schwächen und die Lehrerausbildung ist mangelhaft. Die meisten Angehörigen der Oberschicht besuchen daher private Schulen und Hochschulen die Ärmsten müssen sich mit den überfüllten Klassen der staatlichen Schulen abfinden – wenn die Kinder überhaupt in die Schule gehen können und nicht arbeiten müssen.

 

Daneben existieren zahlreiche sogennante Akademien - Berufsbildungsinstitute unterschiedlicher Organisationsformen. Im Schul- und im Hochschulbereich besteht eine deutliche Zweiteilung: die von wenigen Schülern/Studenten aus meist wohlhabenden Familien besuchten privaten Schulen und Hochschulen vermitteln ein hohes Ausbildungsniveau. Der große Rest der ärmeren staatlichen Schulen und Hochschulen kann keine vergleichbare Qualität bieten.

 

Die Armut in der Bevölkerung führt dazu, dass nach Angaben von UNICEF etwa 51 Prozent der Kinder einer Erwerbsarbeit nachgehen müssen und 13 Prozent der Kinder nicht einmal die fünfte Klasse erreichen. Nach offiziellen Angaben sind zwischen 10,5 und 15 Prozent der Bevölkerung Analphabeten.
In Peru ist Kinderarbeit leider oft noch selbstverständlich und man geht von ca. 1,93 Millionen Kindern (im Altern zwischen 6 und 17 Jahren) aus, die in verschiedenen, oft auch illegalen Berufen tätig sind. Von diesen 1,93 Millionen Kindern leben mehr als 30% in totaler Armut und weit unter der Armutsgrenze.

 

In Peru trifft man die arbeitenden Kinder daher überall und sie gehören zum alltäglichen Straßenbild. Nicht nur in den Großstädten wie Lima, Chiclayo, Trujillo, Arequipa oder Iquitos im Dschungel Perus, wimmelt es von Kindern, die auf den Straßen Zigaretten, Süßigkeiten und Gemischtwaren anbieten, Autos oder Schuhe putzen und manchmal auch einfach nur nach Geld oder einer kleinen Mahlzeit betteln. Wer sich auf einer Perureise befindet und zum ersten Mal nach Lima oder eine andere größere Stadt kommt, der wird sich bald in einem Konflikt befinden, in den jeder Südamerikareisende schnell gerät.

 

Kinderarbeit ist in Peru und vielen anderen lateinamerikanischen Ländern sehr beliebt, denn Kinder sind willig und für fast jede Arbeit einzuspannen. Aufgrund der oft sehr extremen Armut, mangelnder Bildung und der Ausbeutung durch solche Unternehmen und Arbeitgeber, haben die Kinder kaum Möglichkeiten um diesen Teufelskreis zu verlassen.

 

Die Kleinen müssen sich um ihre allein erziehende Mutter und die Geschwister kümmern und sind in so frühen Jahren vollkommen allein für das Überleben der Familie verantwortlich. Natürlich ist Kinderarbeit in Peru verboten, doch wie bei so vielen dieser Gesetze reicht ein bloßes Verbot leider nicht aus, um diese illegalen Aktivitäten und das Ausbeuten der schutzbedürftigsten Mitglieder der Gesellschaft zu verhindern.

 

Kein fließendes Wasser ist auch ein sehr großes Problem in vielen Gegenden in Peru. In der peruanischen Küstenregion sind insbesondere ärmere Bevölkerungsschichten unmittelbar von Wassermangel bzw. dessen Auswirkungen, wie erhöhter Wasser- und Lebensmittelpreise und mangelhafter hygienischer Bedingungen betroffen. In Peru zählt nur eins von zwei Haushalten mit Abwasser und nur ein Drittel besitzt eine Grundwasserversorgung. Das explosive Wachstum sowie die inadäquate Handhabung des Wassers erlaubt es nicht, dass die ganze Bevölkerung damit versorgt werden kann, vor allem die ärmeren unter ihnen, so dass dieser Umstand zu Krankheiten führt und sich zu permanenten infektiösen Herden entwickelt.

 

Das (Über-) Leben für alte Menschen ist auch in Peru immer schwieriger. Viele ältere Menschen beziehen keinerlei Rente. Häufig werden alte Menschen von ihren Familien, die selbst nichts haben, „ausgesetzt“ und müssen in den wenigen Altersheimen unter menschenunwürdigen Verhältnissen dahinvegetieren.